Berechne Zinstage zwischen zwei Daten nach ACT/ACT, ACT/360, ACT/365, 30/360 und 30E/360. Vergleiche alle Methoden auf einen Blick — mit optionaler Zinsbetragberechnung.
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Erklärung
So funktioniert Zinstagerechner
Der Zinstagerechner berechnet die Anzahl der Zinstage zwischen zwei Daten nach verschiedenen internationalen Zinsmethoden (Day Count Conventions). Diese Methoden bestimmen, wie viele Tage für die Zinsberechnung herangezogen werden und welcher Jahres-Divisor (Nenner) verwendet wird.
Der Jahresbruch (Zinstage / Nenner) gibt den Anteil des Jahres an, für den Zinsen berechnet werden. Je nach Methode kann derselbe Zeitraum zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Die Wahl der Zinsmethode beeinflusst direkt die Höhe der Zinsen. Bei einem Kredit mit ACT/360 ergeben sich für ein volles Jahr höhere Zinsen als bei ACT/365, da der kleinere Nenner einen größeren Jahresbruch liefert. Der Vergleichsmodus zeigt diese Unterschiede auf einen Blick.
Wissen
Tatsächliche vs. fiktive Tage
Der zentrale Unterschied zwischen ACT-Methoden und 30/360-Methoden liegt in der Tagezählung.
Bei der Zinsberechnung gibt es zwei grundlegend verschiedene Ansätze für die Tagezählung: die tatsächlichen Kalendertage (ACT) und die fiktiven 30-Tage-Monate (30/360).
ACT-Methoden zählen jeden Kalendertag einzeln. Ein Monat mit 31 Tagen bringt mehr Zinstage als einer mit 28 Tagen.
30/360-Methoden setzen pauschal 30 Tage pro Monat an. Februar, März und Juli haben damit gleich viele Zinstage.
Der Unterschied kann bei kurzen Laufzeiten erheblich sein: Februar hat bei ACT nur 28 oder 29 Tage, bei 30/360 immer 30.
Für den Nenner (Jahresbasis) gilt: ACT/ACT verwendet 365 oder 366, ACT/360 und 30/360 verwenden 360, ACT/365 verwendet 365.
Wissen
Übersicht Zinsmethoden
Alle fünf gängigen Zinsmethoden mit Zähler, Nenner und typischem Einsatzgebiet.
Die Zinsformel lautet: Zinsen = Kapital × Zinssatz × (Zinstage / Nenner). Die Methode bestimmt, wie Zinstage und Nenner ermittelt werden.
Wo welche Zinsmethode in der Praxis zum Einsatz kommt.
Die Wahl der Zinsmethode hängt vom Finanzprodukt und dem Markt ab. In Deutschland und der EU sind ACT/360 und 30E/360 am weitesten verbreitet.
Bankkredit / Tagesgeld / Festgeld: Meist ACT/360 (Eurozinsmethode).
Anleihen (Bund, Pfandbriefe): Häufig ACT/ACT oder 30E/360.
Unternehmensanleihen (Eurobond-Format): 30E/360.
Geldmarktpapiere (CP, Schuldscheine): ACT/360.
Verzugszinsen (BGB § 288): ACT/ACT (tatsächliche Tage im Jahr).
Bauspardarlehen: Oft 30/360 (deutsche kaufmännische Methode).
Praxis
Praxisbeispiele
Nur Beispiel zur Veranschaulichung – maßgeblich ist deine eigene Berechnung.
6 Monate im Methodenvergleich
Vergleich aller Zinsmethoden für den Zeitraum 01.01.2024 bis 01.07.2024. Da 2024 ein Schaltjahr ist, ergeben sich je nach Methode unterschiedliche Zinstage.
Ergebnis: ACT/ACT: 182 Tage (Nenner 366), ACT/360: 182 Tage (Nenner 360), ACT/365: 182 Tage (Nenner 365), 30/360: 180 Tage (Nenner 360), 30E/360: 180 Tage (Nenner 360).
Kreditlaufzeit mit ACT/360 (Eurozinsmethode)
Ein Kredit über 50.000 EUR mit 4,5 % Zinssatz läuft vom 15.03.2024 bis 15.09.2024. Die Bank rechnet nach ACT/360. Wie hoch sind die Zinstage und der Zinsbetrag?
Ergebnis: 184 Tage bei Nenner 360. Jahresbruch: 0,511111. Zinsbetrag: 1.150,00 EUR.
Anleihe-Kupon mit 30/360 (Deutsche Methode)
Eine Anleihe zahlt halbjährlich Kupons. Berechnung der Zinstage vom 01.02.2024 bis 01.08.2024 nach der 30/360-Methode bei einem Nennwert von 100.000 EUR und 3,2 % Kupon.
Ergebnis: 180 Tage bei Nenner 360. Jahresbruch: 0,5. Zinsbetrag: 1.600,00 EUR.
Hinweise
Häufige Fehler
Falsche Zinsmethode für das Produkt verwenden
Die Zinsmethode ist nicht frei wählbar, sondern wird durch Vertrag, Marktkonvention oder Gesetz vorgegeben. ACT/360 für Geldmarkt, 30E/360 für Anleihen, ACT/ACT für Verzugszinsen. Falsche Methode = falsches Ergebnis.
Die korrekte Methode dem Vertrag oder der Marktkonvention entnehmen: Geldmarkt = ACT/360, Anleihen = 30E/360, Verzugszinsen = ACT/ACT.
Schaltjahr-Effekte nicht beachten
Im Schaltjahr hat der Februar 29 Tage. Bei ACT-Methoden führt das zu einem zusätzlichen Zinstag. Bei ACT/ACT ändert sich auch der Nenner (366 statt 365). Bei 30/360 spielt das Schaltjahr keine Rolle, da Februar immer als 30 Tage zählt.
Bei ACT-Methoden Schaltjahre beachten — der Rechner berücksichtigt sie automatisch.
Start- und Endtag falsch zählen
Die Konvention ist: Der Starttag zählt nicht mit, der Endtag zählt mit (exklusiver Start, inklusiver End). Von 01.01 bis 01.02 sind es 31 Tage, nicht 32. Manche Quellen verwenden andere Konventionen — die Vertragsbedingungen sind maßgeblich.
Die Konvention exklusiver Start / inklusiver End beachten — im Zweifel die Vertragsbedingungen prüfen.
FAQ
Häufige Fragen
Was sind Zinstage?
Zinstage sind die Anzahl der Tage, für die Zinsen berechnet werden. Je nach Zinsmethode werden entweder die tatsächlichen Kalendertage gezählt oder fiktive Tage (z. B. 30 Tage pro Monat) verwendet. Die Anzahl der Zinstage bestimmt zusammen mit dem Jahresdivisor (Nenner) den Jahresbruch, der in die Zinsformel eingeht.
Was ist der Unterschied zwischen den Zinsmethoden?
Die Zinsmethoden unterscheiden sich in zwei Aspekten: wie die Tage gezählt werden (Zähler) und welcher Divisor für das Jahr verwendet wird (Nenner).
ACT/ACT: Tatsächliche Tage / tatsächliche Tage im Jahr (365 oder 366). Exakte Methode.
ACT/360: Tatsächliche Tage / 360. Weit verbreitet im Geldmarkt (Eurozinsmethode).
ACT/365: Tatsächliche Tage / 365. Ueblich in Grossbritannien.
30/360: Jeder Monat hat 30 Tage / 360. Deutsche kaufmännische Methode.
30E/360: Aehnlich wie 30/360, aber mit angepasster Behandlung des 31. Tags (Eurobond-Methode).
Wann verwende ich welche Zinsmethode?
ACT/360 ist Standard im europäischen Geldmarkt (Kredite, Tagesgeld). 30/360 und 30E/360 werden bei Anleihen und festverzinslichen Wertpapieren verwendet. ACT/365 ist in Grossbritannien üblich. ACT/ACT gilt als exakteste Methode und wird bei Staatsanleihen und in der ISDA-Dokumentation verwendet. Im Zweifelsfall gibt der Vertrag die anzuwendende Methode vor.
Was bedeutet ACT/360 (Eurozinsmethode)?
Bei ACT/360 werden die tatsächlichen Kalendertage gezählt, aber durch 360 geteilt. Das bedeutet, dass ein volles Jahr (365 oder 366 Tage) einen Jahresbruch von mehr als 1 ergibt. Für den Kreditnehmer bedeutet das etwas höhere Zinsen im Vergleich zu ACT/365 oder ACT/ACT, da der Nenner kleiner ist.
Warum gibt es die 30/360-Methode?
Die 30/360-Methode stammt aus einer Zeit vor Computern, als die Berechnung mit tatsächlichen Kalendertagen aufwendig war. Durch die Annahme von 30 Tagen pro Monat und 360 Tagen pro Jahr vereinfacht sich die Rechnung erheblich. Heute wird sie vor allem bei Anleihen und festverzinslichen Wertpapieren verwendet, da sie gleichmäßige Kuponperioden erzeugt.
Wie behandelt die 30/360-Methode den 31. eines Monats?
Bei der deutschen 30/360-Methode wird der 31. auf den 30. gesetzt, wenn der Starttag ebenfalls der 30. oder 31. ist. Bei der 30E/360-Methode (Eurobond) wird der 31. immer auf den 30. gesetzt, unabhängig vom Starttag. Diese Unterscheidung kann bei kurzen Zeiträumen den Unterschied eines Tages ausmachen.
Welche Methode verwendet meine Bank?
Die meisten deutschen Banken verwenden ACT/360 (Eurozinsmethode) für Kredite und Tagesgeld. Festgeldverträge und Anleihen nutzen oft 30E/360. Verzugszinsen nach BGB werden mit ACT/ACT berechnet. Die anzuwendende Methode steht im Vertrag oder in den AGB der Bank.
Warum führt ACT/360 zu höheren Zinsen als ACT/365?
Bei ACT/360 wird durch 360 geteilt statt durch 365. Das ergibt einen größeren Jahresbruch und damit höhere Zinsen. Über ein volles Jahr (365 Tage) beträgt der Jahresbruch bei ACT/360 etwa 1,0139 statt genau 1,0 — der Kreditnehmer zahlt ca. 1,4 % mehr Zinsen als bei ACT/365.
Grenzen
Einschränkungen
Vertragsbedingungen sind maßgeblich: Individuelle Verträge können abweichende Regeln für die Zinstage-Zählung vorsehen.
Keine Bankfeiertage berücksichtigt: In der Praxis können sich Zahlungstermine durch Feiertage verschieben (Business Day Convention).
Vereinfachte 30/360-Varianten: Es gibt mehrere Varianten (US, European, German). Der Rechner implementiert die gängigsten, aber nicht alle.
Quellen
Quellen und Nachweise
ISDA — Day Count Fraction DefinitionsInternational Swaps and Derivatives Association (ISDA)
Internationale Standarddefinitionen der Zinsberechnungsmethoden durch die International Swaps and Derivatives Association.
Zur QuelleAbgerufen: 22.07.2026 · Geprüft am: 22.07.2026
PAngV — Preisangabenverordnung (Effektivzinsberechnung)Bundesministerium der Justiz
Deutsche Preisangabenverordnung mit Vorgaben zur Zinsberechnungsmethode bei der Effektivzinsangabe.
Zur QuelleAbgerufen: 22.07.2026 · Geprüft am: 22.07.2026 · Primärquelle
Deutsche Bundesbank — GeldmarktkonventionenDeutsche Bundesbank
Konventionen der Deutschen Bundesbank für Geldmarktgeschäfte, die ACT/360 als Standardmethode vorsehen.
Zur QuelleAbgerufen: 22.07.2026 · Geprüft am: 22.07.2026 · Primärquelle
EZB — Euro Money Market ConventionsEuropäische Zentralbank (EZB)
Konventionen der Europäischen Zentralbank für den Euro-Geldmarkt mit ACT/360 als Standard.
Zur QuelleAbgerufen: 22.07.2026 · Geprüft am: 22.07.2026 · Primärquelle
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