Zinsen vergleichen: Nominalzins, Effektivzins und Zinseszins
Wann sind zwei gleich hohe Zinssätze tatsächlich vergleichbar?
Eine Zinszahl allein beschreibt kein Angebot. Entscheidend ist, auf welchen Betrag sie angewendet wird, wann Zinsen gutgeschrieben werden und welche weiteren Zahlungen dazugehören. Wer diese Ebenen trennt, kann Anlagen und Kredite vergleichen, ohne unterschiedliche Größen gleichzusetzen.
Drei Begriffe, drei Aufgaben
Der Nominalzins ist der vereinbarte Rechensatz auf die jeweilige Kapitalbasis. Zinseszins bezeichnet den Mechanismus, bei dem gutgeschriebene Zinsen selbst wieder verzinst werden. Eine effektive jährliche Verzinsung fasst die Wirkung der Gutschriftintervalle auf ein Jahr zusammen. Bei Verbraucherdarlehen ist der gesetzlich definierte effektive Jahreszins eine umfassendere Kostengröße; § 16 PAngV regelt, welche Kosten einbezogen werden.
Gleicher Nominalzins, anderer Jahresertrag
Beispielannahme: 10.000 Euro liegen ein Jahr zu nominal 5 % ohne Kosten und Steuern an. Bei jährlicher Gutschrift entstehen 10.500,00 Euro. Bei monatlicher Gutschrift mit sofortiger Wiederanlage werden monatlich 5 % / 12 auf den aktuellen Stand gerechnet: 10.511,62 Euro, entsprechend rund 5,1162 % pro Jahr. Die zusätzliche Wirkung kommt vom Zeitpunkt der Gutschrift, nicht von einem höheren nominalen Rechensatz.
Auszahlung ist nicht Wiederanlage
Wer die monatlichen Zinsen entnimmt, erhält den unterstellten Zinseszins nicht. Bei Angeboten mit Zinsauszahlung muss auch feststehen, zu welchem Satz ausgezahlte Beträge bis zum Vergleichsende angelegt werden. Für einen fairen Vergleich gelten derselbe Anfangsbetrag, dieselbe Laufzeit und dieselbe Behandlung aller Zwischenzahlungen.
Kosten und Steuern gesondert behandeln
Die Gutschriftformel (1 + r / m)^m − 1 berücksichtigt allein nominalen Jahreszins r und m Gutschriften. Sie ist kein vollständiger gesetzlicher Kredit-Effektivzinsrechner. Bei einem Darlehen gehören die tatsächlichen Auszahlungs- und Rückzahlungstermine sowie relevante Kosten in den Vergleich. Ein Modellwert vor Steuern ist zudem nicht automatisch der verfügbare Nettoertrag.
So wird daraus eine Entscheidung
Notiere Betrag, Zinsbindung, Gutschriftintervall, Gebühren und Zwischenzahlungen nebeneinander. Vergleiche zunächst die Endwerte unter identischen Annahmen; prüfe danach Liquidität und Vertragsbedingungen. Ein kleiner rechnerischer Mehrertrag kann durch eine einzelne Gebühr verschwinden. Variable zukünftige Zinssätze lassen sich damit nicht vorhersagen.
Nominalzins ist der Rechensatz, Zinseszins der Mechanismus. Für den Vergleich zählt der Zahlungsablauf einschließlich der jeweils relevanten Kosten. Erst gleiche Annahmen machen eine Rangfolge aussagekräftig.