Inflation und reale Rendite: was vom Zuwachs an Kaufkraft bleibt
Wächst mein Vermögen auch dann, wenn die Preise gleichzeitig steigen?
Mehr Euro auf dem Konto bedeuten nicht automatisch, dass sich damit mehr kaufen lässt. Für eine Kaufkraftfrage müssen Anlageentwicklung und Preisentwicklung auf denselben Zeitraum bezogen werden. Vergangene Inflation und eine Annahme über zukünftige Inflation sind dabei verschiedene Informationen.
Nominal und real sauber trennen
Der nominale Endwert ist der Geldbetrag am Ende. Der reale Endwert drückt aus, welcher Kaufkraft zu Beginn dieser Betrag entspricht. Die Bundesbank unterscheidet rückblickend berechnete Realzinsen von erwarteten Realzinsen. Ein zukünftiger Modellwert ist deshalb keine bereits beobachtete reale Rendite.
Warum einfaches Abziehen nur näherungsweise stimmt
Bei 3 % nominalem Jahresertrag und 2 % Preissteigerung ist die genaue reale Jahresrendite (1,03 / 1,02) − 1 = rund 0,9804 %. Die Differenz von einem Prozentpunkt ist eine Näherung. Die Division vergleicht Wachstumsfaktoren: Der größere Eurobetrag wird durch das zugleich höhere Preisniveau geteilt. Für eine Nettobetrachtung muss der Ertrag bereits um relevante Kosten und Steuern bereinigt sein.
Zehn Jahre wirken auf beide Seiten
Beispielannahme: 10.000 Euro wachsen zehn Jahre lang jährlich um 3 %, ohne Entnahmen, Steuern oder Gebühren. Der nominale Endwert beträgt 13.439,16 Euro. Bei gleichzeitig konstant 2 % jährlicher Inflation entspricht das 11.024,80 Euro in heutiger Kaufkraft. Der nominale Zuwachs von 3.439,16 Euro ist somit nicht derselbe wie der Kaufkraftzuwachs von 1.024,80 Euro.
Eine persönliche Ausgabe kann anders steigen
Ein allgemeiner Preisindex beschreibt einen Warenkorb. Die künftigen Kosten einer bestimmten Wohnung, Ausbildung oder Anschaffung können davon abweichen. Für ein konkretes Sparziel ist daher eine begründete Annahme zu genau dieser Ausgabe sinnvoll. Die allgemeine Inflationsannahme dient als Vergleich, nicht als Preisprognose für jeden einzelnen Kauf.
Mit mehreren Preisannahmen planen
Rechne Zielbetrag und Anlage jeweils mit niedrigerer, mittlerer und höherer Preissteigerung. Verwende dieselbe Zeitbasis und vermische reale Zielbeträge nicht mit nominalen Endwerten. Regelmäßige Einzahlungen benötigen zusätzlich ihre tatsächlichen Termine: Ein erst kurz vor dem Ziel eingezahlter Euro war nicht zehn Jahre lang investiert.
Für Kaufkraftentscheidungen zählt der reale Endwert nach vergleichbaren Kosten. Die genaue Rechnung verwendet Wachstumsfaktoren; angenommene Inflation bleibt ein Szenario, kein Wissen über die Zukunft.